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Freiheitsschwingen

Deutschland in den 1830er-Jahren: Für Handarbeit, arrangierte Ehe und Kinderkriegen hat die junge Bürgermeistertochter wenig übrig. Stattdessen interessiert sie sich für Politik und Literatur und greift - sehr zum Leidwesen ihres Vaters - selbst zur Feder, um flammende Texte für die Gleichberechtigung der Frau und die Abschaffung der Monarchie zu verfassen. Angestachelt von der revolutionären Stimmung des Hambacher Festes versucht sie, aus ihrem bürgerlichen Dasein auszubrechen und sich als Journalistin zu behaupten. Gemeinsam mit ihrer großen Liebe verschreibt sie sich dem Kampf für ein freies, geeintes Deutschland und schlägt den Zensurbehörden ein Schnippchen. Die Geheimpolizei ist ihnen jedoch dicht auf den Fersen, und die junge Journalistin begeht den verhängnisvollen Fehler, ihre Gegner zu unterschätzen...

Autor: Petra Hartmann
Illustration: shutterstock.com / Rouille-et-patine
ca. 198 Seiten

Ab 26.95 EUR inkl. 7% MWSt
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Abriss

Vor der Kulisse des Jungen Deutschland kämpft eine junge Journalistin gegen die Zensurbehörden und die Fesseln ihrer Rolle als Frau. Die Handlung des Romans erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Schauplatz

Die Kleinstadt Kleinweltwinkel im fiktiven Fürstentum Groß-Leuenstein, Hambach, Kiel, Berlin sowie diverse andere Orte in Deutschland.

Epoche

1832 - 1837

(Kursiv: wird durch Ihre Angaben ersetzt)

Personen :

4 weibliche und 7 männliche

Die unerschrockene Heldin

Andrea Hardenstein (14, später 19 Jahre)

  • Tochter des Bürgermeisters von Keinweltwinkel
  • mutig, tatkräftig, manchmal etwas unbeherrscht
  • emanzipiert, Freigeist
  • glühende Bewunderin von Autoren wie Heinrich Heine und Ludwig Börne
  • rebelliert gegen ihr behütetes Leben als Bürgermeistertochter und träumt von einer gleichberechtigten Stellung der Frau
  • macht sich den Geheimpolizisten August Obermeier zum Feind, als sie sich gegen die Kuppelversuche ihrer Familie auflehnt und Augusts Heiratsantrag rigoros ablehnt
  • veröffentlicht aufrührerische Artikel und versucht sich als politische Schriftstellerin zu behaupten  
  • schließt sich in ihrem leidenschaftlichen Kampf gegen Zensur und Unterdrückung den Schriftstellern des Jungen Deutschland an
  • verliebt sich in Fridolin und ist von seiner Verhaftung tief getroffen

Der idealistische Student

Fridolin Degenhardt (17, später 22 Jahre)

  • Andreas Freund und große Liebe
  • idealistisch, aufrührerisch, mutig
  • verlässt Kleinweltwinkel, um in Kiel zu studieren
  • druckt heimlich illegale Flugblätter und wird zum radikalen Revolutionär
  • wird vom Geheimpolizisten August Obermeier verhaftet
  • verlobt sich mit Andrea und flieht gemeinsam mit ihr nach Amerika

Die beste Freundin

Maria Uhde (15, später 20 Jahre) )

  • Tochter des Schmieds von Kleinweltwinkel
  • freundlich, ausgeglichen und  zurückhaltend
  • Andreas beste Freundin, steht ihr stets loyal zur Seite
  • liest als junges Mädchen zusammen mit Andrea verbotene Schriften und engagiert sich für polnische Flüchtlinge, geht aber nicht offen gegen die Obrigkeit vor
  • heiratet den Nachbarssohn Ulrich Bode und freut sich auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter
  • bekommt zusammen mit Ulrich eine Tochter

Der Vater der Heldin

Heinrich Hardenstein

  • Bürgermeister von Kleinweltwinkel
  • temperamentvoll, aufbrausend, wird vor allem gegenüber Andrea schnell laut
  • Sympathisant des Fürsten, missbilligt Andreas schriftstellerisches und politisches Engagement  
  • verhilft Andreas und Fridolin letztendlich aber zur Flucht nach Amerika

Der niederträchtige Polizist

August Obermeier (einige Jahre älter als Andrea)   

  • stammt aus Kleinweltwinkel und macht Karriere bei der Geheimpolizei in Berlin
  • aufgeblasen und wichtigtuerisch, aber auch etwas unbeholfen
  • nachdem er von Andrea einen Korb bekommen hat, setzt er alles daran, Andreas und Fridolins revolutionären Aktivitäten auf die Spur zu kommen, und wird zu einem ernstzunehmenden Gegner
  • treibende Kraft hinter Fridolins Verhaftung
  • drückt letztendlich ein Auge zu und lässt Andrea und Fridolin nach Amerika entkommen

Die schrullige Großtante

Kühlwalda

  • ältliche Tante des Bürgermeisters, verbringt viel Zeit im Bürgermeisterhaus 
  • matronenhaft, schrullig, etwas naiv
  • hat konservative Moralvorstellungen und missbilligt Andreas emanzipiertes Verhalten
  • hält Andrea regelmäßig Predigten über ihre Rolle als Frau, bemerkt aber nicht, dass sie dabei auf taube Ohren stößt

Der hilfsbereite Kommilitone

Tom Teuer (im gleichen Alter wie Fridolin)

  • Kommilitone und guter Freund von Fridolin
  • ruhiges und freundliches Wesen
  • druckt zusammen mit Fridolin illegale Flugblätter
  • überbringt Andrea einen Brief von Fridolin und schmuggelt sie als Mann verkleidet in die Universität

Der Bräutigam der besten Freundin

Ulrich Bode

  • Handwerker aus Kleinweltwinkel
  • heiratet Marie
  • gutaussehend, sympathisch
  • sehr kleine Rolle

Die Mutter der Heldin

Wilhelmine Hardenstein

  • Bürgermeistergattin
  • zurückhaltend, sanftmütig, Ruhepol der Bürgermeisterfamilie
  • toleriert Andreas schriftstellerische Tätigkeiten und steht ihr immer – wenn auch meist passiv – zur Seite
  • wächst über sich selbst hinaus und wird zur Löwenmutter, als Andreas Lebensglück auf dem Spiel steht  
  • heckt einen kühnen Plan aus, um Fridolin aus dem Gefängnis zu befreien und zusammen mit Andrea nach Amerika auszuschiffen

 

Der Vetter der Heldin

Kuno Stahl (einige Jahre älter als Andrea)

  • Herausgeber der politischen Zeitschrift Das Freie Wort
  • gutmütig, sympathisch, redegewandt
  • veröffentlicht Andreas erste Artikel, macht jedoch einen Rückzieher, als ihre Texte zu aufrührerisch werden
  • lädt sie nach Berlin ein, wo er sie in einen Zirkel aus Künstlern, Freigeistern und Intellektuellen einführt

 

Der konservative Geistliche

Anastasius Knollmorgen

  • großgewachsen, füllig, dicke rote Nase
  • wettert von der Kanzel gegen emanzipierte Frauen
  • traut Marie und Ulrich
  • sehr kleine Rolle

Personalisierbare Orte

Andreas Heimatstädtchen Kleinweltwinkel

Nicht personalisiert werden:

  • Rebekka Meysenheim: leitet einen literarischen Salon in Berlin
  • Wilken Wiesel: Literaturkritiker
  • diverse historische Persönlichkeiten, wie die Initiatoren des Hambacher Festes Phillip Jacob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, die Sängerin Henriette Sontag, der Diplomat Karl August Varnhagen von Ense, Wilhelm von Humboldt, Ludolf Wienbarg

(Kursiv: wird durch Ihre Angaben ersetzt)

Leseprobe

Hambach, 27. Mai 1832
Unglaublich! So viele Menschen auf einem Platz! Nicht einmal auf der Kirmes in Kleinweltwinkel hatte Andrea so viele fröhliche Menschen gesehen. Da – wieder eine Fahne! Schwarz, rot und gold. Daneben die polnischen Farben. Und dort, der junge Mann neben ihnen, der hatte sich eine kleine Trikolore angesteckt und pfiff ungeniert die Marseillaise. Ein politisches Lied – pfui, ein verbotenes Lied! Und doch so fröhlich, dass Andrea gar nicht anders konnte. Ein Hüpfer nur, doch da hob ihr Vater schon drohend den Zeigefinger.
„Haltung, kleines Fräulein!“, zischte er. „Wir sind nicht hier, diesen Schabernack mitzutreiben.“
Andrea fiel gehorsam zurück in den würdigen Schritt an der Seite ihrer Eltern. „Kleines Fräulein“ – wie sie diese Anrede hasste! Immerhin war sie schon vierzehn Jahre alt. Sie rückte ihren blumengeschmückten Hut gerade und senkte den Kopf.
„Schabernack“ nannte ihr Vater das hier. Die Geburt eines neuen, freien Deutschlands, an der sie heute teilhaben durften. Ja, spürte der Herr Bürgermeister denn nicht, welche Bewegung hier in der Luft lag? Und wenn er an diesem Schabernack nicht teilhaben wollte, warum war er überhaupt mit Frau und Tochter nach Hambach gereist, ausgerechnet in der letzten Maiwoche des Jahres 1832, wo doch jeder wusste, dass alle freien und jungen Kräfte hier ein Fest feiern wollten? Ein Fest der Freiheit und der Zukunft! Und da stiefelte er jetzt neben ihr bergauf mitten im Strom der jungen Handwerksgesellen aus allen deutschen Ländern – Heinrich Hardenstein, jeder Zoll ein Bürgermeister – und schnitt ein grimmiges Gesicht dazu, als wolle er jeden Einzelnen von ihnen verhaften. Ach was! Kleinweltwinkel lag weit entfernt von hier. Heinrich Hardenstein konnte hier niemanden verhaften. Hier war er Bürger wie jeder andere auch. Andrea hätte niemals geglaubt, dass ihr Vater so sehr für die Sache der Freiheit begeistert war, dass er sogar diese weite Reise auf sich genommen hatte, um dabei zu sein, wenn in Hambach Geschichte geschrieben wurde.
„Allons, enfants de la patrie…”, sang der junge Mann mit der Trikolore neben ihr.
Andrea hatte Mühe, das Lächeln zu unterdrücken. Doch als die Sonne jetzt aus den Wolken trat und ihr mitten ins Gesicht schien, da konnte sie einfach nicht anders. Sie zwinkerte dem Handwerksburschen zu und formte mit ihren Lippen lautlos die Worte: „...le jour de gloire est arrivé…“
Hinter ihr klangen drei tiefe Männerstimmen auf, die ein „Noch ist Polen nicht verloren…“ anstimmten. Als sich Andrea halb umwandte, sah sie die weiß-rote Fahne wehen, getragen von polnischen Freiheitskämpfern. Ihr Herz krampfte sich zusammen, als sie an den polnischen Aufstand gegen die russische Besatzung dachte, und daran, wie hart er niedergeschlagen worden war. Einer plötzlichen Regung folgend, griff sie an ihren Hut und zog eine weiße Rose aus dem Hutband. „Nein, mein Herr, Polen ist noch nicht verloren“, sagte sie und überreichte dem hinter ihr gehenden Polen die Blume. „Nicht solange es so viele tapfere Angehörige Ihrer Nation gibt, die für die Freiheit kämpfen.“
„Dziekuje serdecznie!“, kam es überrascht zurück.
„Andrea!“
„Entschuldige, Vater. Aber findest du es nicht auch furchtbar, was in Polen geschehen ist?“
„Kind, das ist Politik. Das ist nichts für Frauen – und erst recht nichts für Kinder. Sieh dich lieber um und schau dir das Fest an. Wir sind bald oben bei der Burgruine.“
„Ja, Vater.“
Der alte Griesgram machte ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Dabei hatte sie ganz genau gesehen, wie elektrisiert er gewesen war, als er in der Zeitung den Aufruf zu diesem Constitutionsfeste gelesen hatte:
Völker feiern Feste des Dankes und der Freude beim Eintritte heilvoller großer Ereignisse. Darauf musste das deutsche Volk seit Jahrhunderten verzichten. Zu solcher Feier ist auch jetzt kein Anlass vorhanden, für den Deutschen liegen die großen Ereignisse noch im Keim; will er ein Fest feiern, so ist es ein Fest der Hoffnung; nicht gilt es dem Errungenen, sondern dem zu Erringenden, nicht dem ruhmvollen Sieg, sondern dem mannhaften Kampf, dem Kampf für Abschüttelung innerer und äußerer Gewalt, für Erstrebung gesetzlicher Freiheit und deutscher Nationalwürde.
Ein Fest, um eine Verfassung für ganz Deutschland zu schaffen! Gesetzmäßige Freiheit statt Fürstenwillkür in fast 40 Kleinstaaten, von denen das winzige Fürstentum Groß-Leuenstein nicht einmal der kleinste war – was für eine Vision!
Das Gedränge wurde nun so dicht, dass Andrea beinahe fürchtete, erdrückt zu werden. Als ein plötzlicher Windstoß die polnische Fahne erfasste, hätte das Mädchen beinahe den Hut verloren. Doch der freundliche Pole hinter Andrea hatte rasch zugegriffen und ihn am Davonfliegen gehindert.
„Hinauf, Patrioten, zum Schloss, zum Schloss!“ Mit Gesang zog eine Gruppe schlesischer Bäckergesellen an ihnen vorbei.
„Hoch flattern die deutschen Farben“, klang es weiter.
„Es keimet die Saat und die Hoffnung ist groß,
schon binden im Geiste wir Garben.
Es reifet die Ähre mit goldnem Band,
und die goldne Ernt‘ ist das Vaterland.“
Es wurde eng auf dem Weg, und für einen Augenblick fürchtete Andrea, von der Menge erdrückt zu werden. Wo waren Vater und Mutter geblieben? Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und konnte doch keinem der kräftigen Schmiedelehrlinge und Bauernsöhne über die Schultern sehen, die sie umringten. Aber dann erblickte sie vor sich den Turm der Burgruine. Ja, das war das Hambacher Schloss, und hierher hatten Wirth und Siebenpfeiffer alle eingeladen, die die Freiheit liebten. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer. Und es war ihr egal, dass ihr Vater ihr Haltung geboten hatte.
Das Schloss war verfallen. Ein paar Mauerreste standen noch und Teile des viereckigen Turms. Leere Fenster und Bögen ließen das Blau des Himmels durch, der helle Stein leuchtete beinahe in der Sonne. Dort vorn an der Treppe wehten die schwarz-rot-goldene und die weiß-rote Fahne. Und dort, auf der blumenumkränzten Empore...
„Vivat!“, brüllte die Menge um sie herum.
Andrea sah nur die Umrisse eines Mannes, der dort oben aus dem Schatten getreten war, doch in die Menge kam Bewegung. Aufgeregt drängten sich alle heran, näher ans Schloss, näher an die Rednertribüne. Andrea blieb buchstäblich die Luft weg, als sie zwischen den kräftigen Leibern eingekeilt wurde.
„Vivat Börne, der große deutsche Patriot!“, brüllten alle um sie herum. „Er lebe hoch!“
„Hilfe!“, rief Andrea. Doch niemand hörte sie. Zu groß war die Begeisterung, den legendären Verfasser der Briefe aus Paris als Unterstützer des Festes zu wissen. Um Andrea herum wurde es immer enger, sie konnte nur noch flach atmen und fürchtete, im nächsten Augenblick zerquetscht zu werden. „Vater, Hilfe!“
Da – eine winzige Lücke in der Masse tat sich auf. Andrea nutzte ihre Chance. Sie zog sich zurück, noch zwei Schritte, nur raus aus diesem Gedränge! Endlich konnte sie wieder atmen. Tief holte sie Luft. Das hätte böse ausgehen können! Aufatmend wich sie noch einen Schritt zurück, bis sie den rauen Stein der verfallenen Umfassungsmauer in ihrem Rücken spürte.
„Vivat Börne!“, schallte es noch immer von überall.
Wenn sie ihn nur sehen könnte! Wieder ärgerte sich Andrea, dass sie noch so klein war. Für ihre vierzehn Lenze war sie zwar schon ein recht groß gewachsenes Mädchen, doch über die Köpfe all dieser Menschen zu blicken, das war, zumal das Gelände vor ihr noch anstieg, vollkommen unmöglich. Dabei hätte sie den berühmten Journalisten so gern gesehen! Seine Briefe aus Paris hatte sie verschlungen. Heimlich natürlich, das durfte der Vater nicht wissen. Aber Vetter Kuno hatte sie sogar die Waage lesen lassen, Börnes berühmte Zeitung. Und nun stand sie hier hinten, stand auf den Zehenspitzen und verrenkte sich den Hals, aber außer ein paar Hinterköpfen und geschwenkten Hüten konnte sie nichts sehen. Es war zu ärgerlich!
Etwas Sand rieselte herab. Plötzlich löste sich ein Stein aus der Mauer und zersprang kaum einen halben Schritt neben Andrea auf dem Pflaster. Erschrocken sprang sie zur Seite.
„Heh!“, rief sie empört aus und blickte nach oben.
Auf der baufälligen Mauer tauchte ein Gesicht auf, dann noch eins und noch ein drittes. Diese Bengel kletterten doch tatsächlich da oben herum!
„Seid ihr wahnsinnig?“, schimpfte sie. „Beinahe hättet ihr mich erschlagen! Kommt sofort runter da, das ist viel zu gefährlich!“
Das Gelächter der drei konnte sie trotz der neu aufbrandenden Vivat-Rufe hören. Dann beugte sich einer der drei Jungen zu ihr herunter. „Dich kenne ich doch! Du bist doch die kleine Hardenstein.“
„Und wenn?“, gab sie patzig zurück.
„Sieh an, des Fürstenfreundes Töchterlein auf einem revolutionären Fest. Was willst du denn hier? Die Mode der Damenhüte abgucken?“
Seine beiden Kumpane lachten.
Andrea stemmte die Hände in die Hüften und blickte giftig zu dem Jungen auf der Mauer hinauf. „Ich habe bestimmt mehr von Börne gelesen als du. Sogar die Waage, damit du’s nur weißt.“
„Donnerwetter! Und nun, wo du ihn gesehen hast – gefällt er dir?“
Andrea senkte den Kopf. „Ich wollte ja, ich könnte ihn sehen“, sagte sie ärgerlich. Sie blickte sich um. Sah jemand in ihre Richtung? Nein, alle waren viel zu sehr damit beschäftigt, auf die Tribüne zu starren, wo jetzt Wirth und Siebenpfeiffer dem Volk zuwinkten. „Los, hilf mir, zieh mich hoch!“, forderte sie.
„Spinnst du?“
Doch Andrea hatte schon mit der linken Hand ihren Rock gerafft und tastete mit dem Fuß nach einem wenig vertrauenerweckenden Mauervorsprung. „Nun fass schon an!“, sagte sie ungeduldig und streckte dem Jungen ihre rechten Hand entgegen.
Wenig später saß sie rittlings neben ihm auf der Mauerkrone und sah ihn neugierig an. Der Junge war nicht viel älter als sie. Seine kurzen, schwarzen Haare leuchteten im Sonnenlicht. Er blickte sie aus wachen grünen Augen verwundert an.
„Angst hast du wohl keine, Bürgermeisterstochter“, sagte er anerkennend.
„Und du, wer bist du, wenn du schon weißt, wer ich bin?“
„Fridolin. Fridolin Degenhardt. Aus der Alten Kaiserstraße. Ich hab dich schon ein paar Mal beobachtet, wenn du im Garten...“
„Still jetzt!“, unterbrach der größte der drei Jungen. „Siebenpfeiffer redet. Turteln könnt ihr zu Hause.“
Andrea reckte sich. Der hagere Mann auf der Tribüne – das war Siebenpfeiffer? Der Mann, der den Aufruf zu diesem Fest verfasst hatte? Lang und mager, das kränkliche gelbe Gesicht von schwarzen Haaren umrahmt, sah er nicht unbedingt aus wie das Heldenbild, das sie sich in ihrer Vorstellungskraft von ihm zurechtgepinselt hatte. Doch als der Journalist nun nach vorne trat und zu sprechen begann, ging ein Ruck durch seine schmächtige Gestalt. Der Körper straffte sich und strahlte eine Kraft und Energie aus – wie eine Maiensonne, die eine lichtere Zukunft verhieß.

Petra Hartmann

Petra Hartmann, Jahrgang 1970, wurde in Hildesheim geboren und wohnt in Sillium. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Hannover. Auf den Magisterabschluss folgten die Promotion mit einer Doktorarbeit über den jungdeutschen Schriftsteller Theodor Mundt und ein zweijähriges Volontariat bei einer Tageszeitung. Anschließend war sie fünf Jahre Redakteurin. Seitdem lebt sie als freie Schriftstellerin und Journalistin in Sillium.
Als Schriftstellerin hat sie sich dem fantastischen Genre verschrieben und verfasst hauptsächlich Fantasy und Märchen. Bekannt wurde sie mit ihren Fantasy-Romanen aus der Welt Movenna.
Sie errang mit ihren Geschichten dreimal den dritten Platz bei der Storyolympiade und wurde 2008 mit dem Deutschen Phantastik-Preis ausgezeichnet.


Mehr Informationen finden Sie auf:
www.petrahartmann.de
www.tinyurl.com/PetraHartmannsBlog
www.twitter.com/PetraHartmann

Veröffentlichungen

Bücher
„Faust und Don Juan. Ein Verschmelzungsprozeß, dargestellt anhand der Autoren Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Wolfgang von Goethe, Nikolaus Lenau, Christian Dietrich Grabbe, Gustav Kühne und Theodor Mundt.“ Stuttgart: ibidem-Verlag, 1998.
„Von Zukunft trunken und keiner Gegenwart voll. Theodor Mundts literarische Entwicklung vom Buch der Bewegung zum historischen Roman.“ Dissertation. Bielefeld: Aisthesis, 2003.
„Geschichten aus Movenna.“ Fantasy. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2004.
„Ein Prinz für Movenna“. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007.
„Zwischen Barrikade, Burgtheater und Beamtenpension. Die jungdeutschen Autoren nach 1835“. Stuttgart: ibidem-Verlag, 2009.
„Darthula, Tochter der Nebel. Ein ossianischer Roman.“ Dortmund: Arcanum-Fantasy-Verlag, 2010.
„Der Fels der schwarzen Götter. Ein Roman aus Movenna.“ Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2010. 1. Aufl. August 2010, 2. Aufl. September 2010.
„Die letzte Falkin“. Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2010.
„Die Schlagzeile“. München: Verlag PersonalNovel, 2011.

Herausgeberin
„Drachenstarker Feenzauber“. Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2007.
„Wovon träumt der Mond?“ Nittendorf: Wurdack-Verlag, 2008.

eBook
„Falkenfrühling. Eine Novelle.“ Dortmund: Arcanum Fantasy Verlag, 2011.

Hörbuch
„Weihnachten im Schneeland“. Gelesen von Karin Sünder. Mit Musik von Simon Daum. Borken: Action-Verlag, 2010. (mp3-Download und CD-ROM).

Nennungshäufigkeit

Hier haben wir für Sie alle Möglichkeiten der Personalisierung dieses Buches zusammengefasst. Dazu haben wir auch aufgelistet, wie häufig die entsprechenden Angaben im Buch vorkommen.

Sie brauchen nicht alle diese Möglichkeiten zu nutzen – für jede Angabe können Sie auch einfach den Vorgabewert verwenden.

Die unerschrockene Heldin
Der Vorname der Heldin ist 527 x
Der Nachname der Heldin ist 22 x
Der Anfangsbuchstabe des Vornamens der Heldin 36 x
Die Haarfarbe der Heldin ist 8 x
Die Augenfarbe der Heldin ist 7 x
Die Lieblingsfarbe der Heldin ist 4 x
Der Lieblingsduft der Heldin ist 9 x
Das unveränderliche Kennzeichen der Heldin ist 1 x
Der idealistische Student
Der Vorname des Studenten ist 160 x
Der Nachname des Studenten ist 13 x
Die Haarfarbe des Studenten ist 4 x
Die Augenfarbe des Studenten ist 4 x
Die beste Freundin
Der Vorname der besten Freundin ist 82 x
Der Nachname der besten Freundin ist 10 x
Der Vater der Heldin
Der Vorname des Vaters ist 40 x
Der Nachname des Vaters ist 52 x
Der niederträchtige Polizist
Der Vorname des Polizisten ist 45 x
Der Nachname des Polizisten ist 44 x
Die schrullige Großtante
Der Vorname der Großtante ist 42 x
Der hilfsbereite Kommilitone
Der Vorname des Kommilitonen ist 53 x
Der Nachname des Kommilitonen ist 4 x
Der Bräutigam der besten Freundin
Der Vorname des Bräutigams ist 9 x
Der Nachname des Bräutigams ist 2 x
Die Mutter der Heldin
Der Vorname der Mutter ist 17 x
Der Nachname der Mutter ist 16 x
Der Vetter der Heldin
Der Vorname des Vetters ist 85 x
Der Nachname des Vetters ist 4 x
Der konservative Geistliche
Der Vorname des Geistlichen ist 4 x
Der Nachname des Geistlichen ist 6 x
Personalisierbare Orte
Das Heimatdorf der Heldin heißt 37 x

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