Der Irre von St. James

Auf einer Englandreise trifft ein deutscher Arzt in der Irrenanstalt St. James auf einen angeblich Verrückten, der eine eigenartige Faszination auf ihn ausübt. Dem Arzt gelingt es, das Vertrauen des geheimnisvollen Mannes, ein reicher Lord, zu gewinnen, den sein boshafter Bruder um sein Erbe bringen will.

Der Deutsche versucht, dem jungen Mann zu helfen. Er fährt zu den Besitztümern der Familie, um zwischen Vater und Sohn zu vermitteln. Auch macht er sich auf die Suche nach der verschwundenen jungen Ehefrau des Eingesperrten. Doch wird ihm dieses Vorhaben gelingen? Wird der "Irre von St. James" wieder freikommen? Oder wird sein hinterhältiger Bruder siegen und ihn dazu zwingen, sein Leben hinter den Gittern der Irrenanstalt zu verbringen?

Autor: Philip Galen Illustration: istockphoto.com ca. 212 Seiten

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    Personen:

    14 männliche und 2 weibliche Rollen

    Edward, der junge Viscount von Dunsdale; ältester Sohn von Lord Seymour; Ende 20; großzügig; nicht nachtragend; aus Wut von seinem Vater ins Irrenhaus gebracht, ist er der vermeintliche „Irre von St. James“ wird in der Irrenanstalt Mr. Sidney genannt; ist mit Evelyn verheiratet, sie wurden am Tag ihrer Hochzeit getrennt; der deutsche Arzt hilft ihm, aus der Anstalt zu fliehen und vereint ihn wieder mit Evelyn; kämpft um die Gunst seines Vaters; kurz vor dessen Tod versöhnen sie sich; erhält das ihm zustehende Erbe; lebt dann mit Evelyn und seinen Gefolgsleuten auf seinem Anwesen.

    Evelyn Graham, Tochter des Pfarrers; schönstes Mädchen der Gegend; mit edlem Geist und festem Charakter; 18 Jahre alt; sehr zuvorkommend; freundlich; sie liebt Edward; wird von Mortimer umworben, aber zeigt sich davon unbeeindruckt; wird am Schluss wieder mit Edward vereint.

    Emanuel Stuart, alter Diener Edwards; Vater von Bob und Will; nach Edwards Entführung reist Stuart als Krämer durchs Land und versucht, seinem Herrn zu helfen; hilft bei dessen Flucht.

    Gwendolyn, Witwe eines Försters und Stuarts Schwester; nimmt Edward bei sich auf; kümmert sich auch um Bob und Will.

    Robert Graham, Evelyns Vater; Pfarrer bei Lord Seymour; weise; muss sein Haus verlassen; unterstützt Edward und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite.

    Mortimer, jüngerer Bruder Edwards; hinterhältig; verbittert; will der alleinige Erbe sein; überredet seinen Vater, Edward ins Irrenhaus zu bringen; ist ebenfalls in Evelyn verliebt; stiftet Intrigen; stirbt am Ende bei einem Unfall.

    Lord Seymour, Edwards Vater; wird von Mortimer beeinflusst und eingeschüchtert; bereut am Ende, seinen ältesten Sohn verstoßen zu haben; wendet sich gegen Mortimers Intrigen; versöhnt sich mit Edward; wird verrückt; stirbt am Ende.

    Chappert, Wächter in St. James; glaubt nicht, dass Edward verrückt ist; erfüllt ihm jede Bitte; hilft ihm ebenfalls bei der Flucht; nimmt eine Stelle in seiner Grafschaft an.

    Sir John, berühmter Arzt aus London; schickt den Ich-Erzähler zu Lord Seymour; versucht am Ende, diesen zu retten und scheitert.

    Mr. Elliotson, Direktor der Irrenanstalt St. James; hört Edward nicht zu; glaubt, dass dieser verrückt ist, freundlich; fördert Ich-Erzähler in seinen Studien.

    Dr. Lorenzen, Oberarzt in St. James; wird vom Ich-Erzähler für sein Können bewundert.

    Dr. Derby, junger Unterarzt in St. James; hat moderne Ansichten; traut dem Ich-Erzähler nicht. Mr. Trallope, Haushofmeister Edwards; hat eine vergessliche Frau; gibt dem Ich-Erzähler entscheidende Hinweise; kleine Rolle.

    Paul, treuer Diener Lord Seymours; hat Angst vor Mortimer; will seinem Herrn helfen.

    Bob, ältester Sohn Stuarts; begleitet den Ich-Erzähler auf seiner Suche nach Evelyn.

    Will, Stuarts jüngerer Sohn; kleine Rolle.

    Bravour, Edwards Pferd, das er auch in der Irrenanstalt behalten darf.

    Othello, Edwards Hund; bleibt bei der Entführung bei Evelyn zurück.

    Nicht personalisiert werden:

    Der Ich-Erzähler, ein deutscher Arzt, der zu Studienzwecken englische Irrenhäuser bereist.

    William, Robert Grahams älterer Bruder; stirbt; wird nur erwähnt.

    Charles Osbeck, Pächter des Grundstücks der Grahams; wird nur erwähnt.

    MacIntyre, Diener von Robert Graham.

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    Abriss:

    Abenteuerroman, in dem die männliche Hauptrolle einer Intrige zum Opfer fällt und in eine Irrenanstalt eingeliefert, jedoch am Ende rehabilitiert wird. Mit Liebesgeschichte und Happy End.

    Schauplatz:

    England

    Epoche:

    19. Jahrhundert

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  • Nennungshäufigkeit

    Hier haben wir für Sie alle Möglichkeiten der Personalisierung dieses Buches zusammengefasst. Dazu haben wir auch aufgelistet, wie häufig die entsprechenden Angaben im Buch vorkommen.

    Sie brauchen nicht alle diese Möglichkeiten zu nutzen – für jede Angabe können Sie auch einfach den Vorgabewert verwenden.

    Männliche Hauptrolle
    Der Vorame der männlichen Hauptrolle ist ... 160 x
    Die Haarfarbe der männlichen Hauptrolle ist ... 2 x
    Der Nachname der männlichen Hauptrolle, unter dem sie in der Irrenanstalt bekannt ist, ist ... 54 x
    Der Name des Pferdes (männlich) der männlichen Hauptrolle ist ... 30 x
    Der Name des Hundes (männlich) der männlichen Hauptrolle ist ... 34 x
    Weibliche Hauptrolle
    Der Vorname der weiblichen Hauptrolle ist ... 118 x
    Die Haarfarbe der weiblichen Hauptrolle ist ... 3 x
    Die Augenfarbe der weiblichen Hauptrolle ist ... 2 x
    Vater der männlichen Hauptrolle
    Der Vorname des Vaters der männlichen Hauptrolle ist (stirbt) ... 36 x
    Bruder der männlichen Hauptrolle
    Der Vorname des Bruders der männlichen Hauptrolle ist (stirbt) ... 134 x
    Pfarrer
    Der Vorname des Pfarrers ist ... 30 x
    Der Nachname des Pfarrers ist ... 69 x
    Krämer
    Der Vorname des Krämers ist ... 1 x
    Der Nachname des Krämers ist ... 61 x
    Ältester Sohn des Krämers
    Der Vorname des ältesten Sohnes der Krämers ist ... 58 x
    Jüngerer Sohn des Krämers
    Der Vorname des jüngeren Sohnes des Krämers ist ... 7 x
    Direktor der Irrenanstalt
    Der Nachname des Direktors der Irrenanstalt ist ... 10 x
    Oberarzt der Irrenanstalt
    Der Nachname des Oberarztes der Irrenanstalt ist ... 12 x
    Unterarzt der Irrenanstalt
    Der Nachname des Unterarztes der Irrenanstalt ist ... 11 x
    Wächter in Irrenanstalt
    Der Name des Wächters der Irrenanstalt ist ... 25 x
    Arzt aus London
    Der Vorname des Arztes aus London ist ... 22 x
    Freundin der weiblichen Hauptrolle
    Der Vorname der Freundin der weiblichen Hauptrolle ist ... 4 x
    Haushofmeister der männlichen Hauptrolle
    Der Nachname des Haushofmeisters der männlichen Hauptrolle ist ... 6 x
    Haushofmeister des Vaters der männlichen Hauptrolle
    Der Vorname des Haushofmeisters des Vaters der männlichen Hauptrolle ist ... 10 x
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    Leseprobe:

    Doch ich hatte keine Zeit, in neue Grübeleien zu verfallen. Der Alte zog mich fast mit Gewalt durch die schönen Zimmer des Schlosses, die Prachtzimmer, die Wohnzimmer, die Besuchssäle, die Bibliothek, und was er mir alles sonst noch zeigte und nannte.

    Nachdem wir alle bewohnbaren Räume des Schlosses durchwandert hatten, kehrten wir in die freundliche Vorhalle zurück. Dort stellte mir der Haushofmeister seine getreue Ehehälfte, Mrs. Trallope, vor. Sie war eine bejahrte, wohlbeleibte Frau von phlegmatischem Temperament. Da mein Appetit durch den Morgenritt sich sehr vermehrt hatte, war ich erfreut zu hören, dass die Tafel bereitet war. Gleich darauf ertönte die Essensglocke. Der Wein war in den so lange verschlossenen Kellern nicht verdorben, und der neue Bratspieß leistete vortreffliche Dienste.

    Als der Nachtisch aufgetragen wurde, konnte der alte Herr seine Neugier nicht länger zurückhalten. Er stellte mir Fragen über seinen abwesenden Herrn, sodass ich mich gezwungen sah, die Angaben, die ich ihm über den Viscount von Dunsdale zu machen mir vorgenommen hatte, zum Besten zu geben.

    „Sie haben gewiss von Mr. Stuart gehört, dass Mylord vorhatte, mit seiner Gattin hierher zu kommen?“

    „Ja, Sir, das habe ich von ihm gehört. Aber wo ist sie jetzt?“

    „Das ist eben die Frage, die kein Mensch beantworten kann und die ich Ihnen vorlegen wollte. Ich hatte gehofft, sie wäre vielleicht hierher gekommen.“

    Der Haushofmeister sah mich und seine Frau etwas verblüfft an, als könne man ihm die Schuld für die Abwesenheit Evelyns geben.

    „Nein, Sir!“, stammelte er verlegen. „Sie ist niemals hier gewesen.“

    „Halt!“, fiel die Frau ihm ins Wort. „Mir fällt da soeben etwas ein. Es mag jetzt etwa sechs Wochen her sein. Es war, glaube ich, als du zum Pächter geritten warst. Da fuhr ein Wagen vor, in dem eine junge Dame und ein alter Herr saßen, die sich nach dem Viscount von Dunsdale erkundigten.“

    „Was?“, rief der Haushofmeister. „Und du hast mir kein Wort davon gesagt?“

    „Ich hab’s vergessen. Hier gibt es doch so viel zu tun...“

    „Ist denn kein anderer Mensch dabei gewesen, als sie vorfuhren?“

    „Keine Seele, mein Schatz. Ich stand gerade im Torweg.“

    „Haben sie denn keine Namen genannt?“

    „Nicht, dass ich wüsste.“

    „Wie sahen sie aus?“

    „Ach, die Frau war sehr schön, obwohl etwas blass und traurig. Sie fragte, ob Mylord in Dunsdale sei. Auf meine Antwort, seit vier Jahren sei er nicht hier gewesen und wir hätten auch nichts von ihm gehört, seufzte sie und gab mir, ja richtig. Nun besinne ich mich! Sie gab mir einen Brief.“

    „Was! Kein Wort weiß ich davon!“, rief Mr. Trallope wütend und warf die Serviette auf den Tisch.

    „Ich hab’s vergessen, dir zu sagen.“

    „Zum Teufel mit dieser Vergesslichkeit, und das soll…“

    „Wo ist dieser Brief?“, unterbrach ich ihn.

    „Warten Sie, warten Sie. Ich muss mich erinnern. Ja, ich glaube in meinem Schrank muss er sein.“ Und die vergessliche Frau, die ihr sonst so friedlicher Mann zum Teufel wünschte, lief hinaus, um den Brief zu holen. Nach einiger Zeit kam sie wieder und gab zu unserem Schrecken zu, dass es ihr nicht möglich sei, den Brief zu finden. Sie wisse nicht genau, ob sie ihn in den Schrank oder anderswo hingelegt habe, werde sich aber gewiss besinnen.

    „Wissen Sie weiter nichts von der Dame? Hat sie nicht mehr gesagt?“

    „Nichts, Sir, sie gab mir den Brief und fuhr ab. Aber mir fällt noch ein, dass ein großer schwarzer Hund aus dem Wagen sprang, als er hielt. Ich habe mich vor ihm gefürchtet, denn er war so groß wie Mimi, unsere kleine schwarze Kuh.“

    „Sie war es wirklich!“, rief ich. „Wo fuhr sie hin? Welchen Weg nahm sie?“

    „Richtung London, Sir!“

    „Richtung London!“, ächzte der Alte sarkastisch und warf seiner Frau einen entsetzten Blick zu. „Es liegen viele Orte zwischen Dunsdale Castle und London!“

    Ich überlegte, ob sie nicht tatsächlich nach London, nämlich zu ihrem Onkel William Graham, der dort lebte, gefahren war.

    „Versuchen Sie den Brief zu finden, Mrs. Trallope“, sagte ich. „Er ist von der höchsten Wichtigkeit.“

    Sie versprach es und entfernte sich.

    „Noch eine Frage, Mr. Trallope: Haben Sie eigentlich nichts mehr von dem Marquis von Seymour gehört?“

    „Nichts, Sir, gar nichts, schon seit ebenso vielen Jahren nicht, als Mylord so plötzlich verschwand. Es war gerade die merkwürdige Zeitungsnachricht, die mir zuletzt in die Hände fiel. Sie werden wissen, eine Nachricht, die mich zwar sehr betrübte, die aber, wenn Sie mir ein aufrichtiges Wort erlauben, so lügenhaft ist wie irgendeine. Wenn ich Mylord Edward wäre, so würde ich…“

    „Wieso lügenhaft?“, fragte ich. „Man berief sich auf die Gerichte.“

    „Und doch ist sie verdammt lügenhaft, denn ich kenne trotz ihrer juristischen Kniffe und Windbeuteleien, die sie angewendet haben mögen, noch einen, der die wirkliche Wahrheit beweisen kann, und der bin ich, Sir! Ich war bei der wirklichen Hochzeit dabei. Daran denkt vielleicht kein Mensch mehr, weil es beinahe neunundzwanzig Jahre her ist. Und das dumme Weib war auch dabei. Doch die wird das längst vergessen haben!“

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